Mogli über helikopternde Baghira-Mütter, Glück und Rudelzugehörigkeit - WELT (2024)

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ICONIST: Mogli, was verbindet Sie mit der gleichnamigen Figur aus Rudyard Kiplings „Dschungelbuch“?

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Mogli: Meine Mama hat irgendwann angefangen, mich Mogli zu nennen, weil ich als Kind am liebsten in Unterhose rumgerannt bin, braun gebrannt war und oft auf Bäume geklettert bin. Später kamen Dreadlocks dazu – und der Name hat sich etabliert. Aber tatsächlich ist es auch heute meine Liebe zur Natur und ein bisschen noch immer der Drang, ohne Klamotten rumzurennen, der mich mit Mogli verbindet. (lacht)

ICONIST: Vor drei Monaten sind sie Mutter geworden. Eher eine helikopternde Baghira oder ein chilliger Balu?

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Mogli: Mein Partner und ich sind auf jeden Fall entspannt mit unserer Tochter. Aber so viel hat sich auch gar nicht verändert im Vergleich zu früher, wir können unser Leben relativ entspannt weiterführen – nur jetzt zu dritt. Allerdings bin ich sehr sensibel für ihre Bedürfnisse und versuche, dass sie erst gar nicht unglücklich wird – insofern weint sie fast nie. Das klappt natürlich nicht mit jedem Baby, wir haben da echt Glück. Aber ich gebe ihr schon sehr viel Aufmerksamkeit. (lacht) Auch weil es für mich schwer auszuhalten ist, wenn sie unglücklich ist.

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Mogli über helikopternde Baghira-Mütter, Glück und Rudelzugehörigkeit - WELT (1)

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ICONIST: Also doch eher Muttertyp Baghira.

Mogli: Wir möchten schon, dass unsere Tochter selbstbestimmt entscheiden kann. Da wird sie bestimmt auch einige Fehler in ihrem Leben machen, aber die gehören dazu. Wir werden sie auf jeden Fall machen lassen, so wie ich es selber durfte. Ich erinnere mich gut, wie schön und wichtig das für mich war – deswegen möchte ich das auch so weitergeben.

ICONIST: Dennoch blicken Sie auch auf dunkle Zeiten in Ihrem Leben zurück.

Mogli: Ende 2018 kam mein erster Depressionsschub. Ich habe damals zwar angefangen, mich damit zu beschäftigen, mich aber gleichzeitig in Arbeit gestürzt. All meine Zeit habe ich mit dem, was ich liebe gefüllt: meine Kunst. Dadurch habe ich mich allerdings selbst in einen Burn-out manövriert, ohne es zu merken. Ein Jahr später, ich hatte gerade eine Tour hinter mir, bekam ich die Klatsche. Das ist ja oft so – wenn man Pause macht, kommt die Antwort so richtig schlimm. Sowohl psychisch als auch physisch hat mein Körper sich zurückgeholt, was ihm fehlte. Erst da reagierte ich und fing an, mich zu erholen.

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ICONIST: „Mit Gemütlichkeit kommt das Glück zu dir“, heißt es.

Mogli: Auf jeden Fall! Parallel habe ich diese emotionale Reise in Musik verarbeitet. Das Schreiben am aktuellen Album hat viel zur Heilung beigetragen; man geht ja jedes Mal in die Selbstreflexion.

ICONIST: Was ist daraus entstanden?

Mogli: Musik ist eine intuitive Sache. Ich habe drauflosgeschrieben und erst danach gemerkt, dass daraus eine Geschichte entstanden ist. Das brachte mich auf die Idee, einen Film daraus zu machen. Ich möchte Menschen dazu einladen, auch solch eine Reise zu sich selbst – und damit zum Glück – zu machen.

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ICONIST: Darin geht es um den Ausbruch aus einer dystopischen Welt. Die Protagonisten landen in der wilden Natur und müssen verschiedene Aufgaben erfüllen. Ein „Dschungelbuch“-Verweis?

Mogli: Tatsächlich ist es schon ewig her, dass ich diese Geschichte gelesen habe – den Film habe ich nie gesehen. Was mich verblüffte, war der Name der Produktionsfirma, mit der ich zusammengearbeitet habe: Wolffpack Vision. Wir lachen noch immer drüber. Im Film geht es auch darum, sein eigenes Pack, sein Rudel zu finden – wie Mogli, der bei den Wölfen aufwuchs. Und ich bin jetzt auch Teil des Rudels. (lacht) Denn die heißen nicht nur einfach so, sondern sind allesamt Menschen, die schon seit 30 Jahren befreundet sind und irgendwann zusammen eine Produktionsfirma gegründet haben. Jetzt sind wir eine Familie geworden – ich wurde als Mogli adoptiert von den Wölfen.

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ICONIST: Wer gehört noch zu Ihrem Rudel?

Mogli: Ein Rudel kann ja für jeden etwas anderes sein. Für mich sind es die Menschen, mit denen ich durchs Leben gehe – meine Familie und Freunde. Viele Menschen suchen sich hauptsächlich eine Bezugsperson, die sie dann als Lebensgefährten sehen. Ich mache da einen anderen Cut, denn ich habe das Gefühl, dass ich mit mehr als nur einem Menschen durchs Leben gehe. Wir teilen alles und würden füreinander um die Welt fliegen, falls es einem von uns nicht gut geht.

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ICONIST: Ihr neues Album handelt auch vom Ankommen. Woher weiß man, dass man angekommen ist und nicht mehr in die weite Welt flüchten muss?

Mogli: Ich sehe es nicht grundsätzlich so, dass das Reisen eine Flucht ist. Es kann eine fantastische Variante sein, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen, wenn man weit weg ist vom Alltag. Ich habe aber für mich festgestellt, dass ich nicht mehr das Bedürfnis habe, aus meinem Alltag rauszukommen. Ich bin sehr dankbar, dass ich jetzt ein Leben habe, in dem ich so glücklich bin, dass ich nicht mehr wegwill. Und genau dann weiß man, dass man angekommen ist.

ICONIST: Ihre Figur im Film verkörpert Mut und Angst zugleich – steckt darin ein Identitätskonflikt wie bei Kiplings Figur?

Mogli: Für mich hat sich in den vergangenen Jahren gezeigt, dass jede schlechte Sache auf der Welt ihren Ursprung in Angst hat. Dennoch finde ich nicht, dass Angst etwas Schlechtes ist. Es ist nur etwas, womit man sich auseinandersetzen muss. Und deswegen ist diese Figur sowohl Angst als auch Mut – sie muss die Angst wahrnehmen, um sich dann für den Mut zu entscheiden. Eigentlich wird die Figur im Verlauf der Geschichte von Angst zu Mut – es macht glücklich, wenn man mutig ist.

ICONIST: Sie haben einmal gesagt, traurige Musik mache Sie glücklich. Ihr neues Album ist poppiger als alle bisherigen. Eine Entwicklung weg von einer toxischen Vergangenheit?

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Mogli: Traurig ist es trotzdem noch – poppig muss ja nicht einhergehen mit happy. Tatsächlich hat sich für mich die Definition von Pop verändert, früher empfand ich es immer als Mainstream-Musik. In den vergangenen Jahren habe ich dann eine andere Sprache in meiner Musik gefunden und kann inzwischen viel genauer sagen, was ich fühle und das direkt und laut. Und das ist für mich Pop. Deswegen würde ich schon sagen, dass es mein poppigstes Album ist. Die Musik ist dadurch weniger sphärisch, aber immer noch traurig.

Dieser Text ist Teil unserer Reihe „Small Talk“, in der wir kurze, gute Gespräche mit interessanten Menschen veröffentlichen.

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